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Vernetzte Sprachförderung und Elternbildung

Bundesweit wird festgestellt, dass immer weniger Eltern aktiv erzieherisch tätig sind, sondern oft vollständig darauf vertrauen, dass die Förderung und Erziehung ihrer Kinder in den Kindertagesstätten und in der Schule zu erfolgen hat. In Linden-Süd führen der deutlich überdurchschnittliche Anteil an MigrantInnen und die vergleichsweise hohe soziale Belastung vieler Familien, verbunden mit einem oftmals geringen Bildungsstand der Eltern, in Kindertagesstätten und Grundschule im Stadtteil zu weiteren massiven Problemen: Mit vielen Kindern und deren Eltern ist eine Verständigung überhaupt nicht (oder nur sehr bedingt) möglich, aufgrund der vorliegenden Erziehungsdefizite ist ein nennenswerter Anteil der Kinder in einer Gruppe nur schwer zu begleiten – eine intensive persönliche Förderung der Kinder ist unter diesen Bedingungen kaum möglich. Die Folgen dieser fehlenden Frühförderung zeigen sich nach der Grundschule in – gegenüber dem Stadtdurchschnitt - deutlich schlechteren Schulempfehlungen, was später letztendlich die Chancen der Jugendlichen bei der Ausbildungswahl und Ausbildungsplatzsuche erheblich verschlechtert.

Auf Initiative des damaligen Quartiermanagements konnte das Projekt "Vernetzte Sprachförderung und Elternbildung Linden-Süd" realisiert werden, das beim bundesweiten Wettbewerb "Soziale Stadt 2006" den Sonderpreis "Kinder und Jugendliche in der Sozialen Stadt" des Bundesfamilienministeriums verliehen bekam.

Aufbauend auf einer Exkursion nach Herten (NRW), wo ein Stadtratsbeschluss ("Alle Kinder aus Herten sollen die deutsche Sprache so gut beherrschen, dass sie ihrem Begabungspotential entsprechend allgemeine Schulabschlüsse erwerben können") zu einer Zusammenarbeit von inzwischen 30 Kindertagesstätte und 18 Schulen geführt hat sowie nach einer folgenden Vorstellung mehrerer bereits jahrelang bewährter Förderprogramme haben 15 Einrichtungen aus Linden-Süd (darunter die betroffenen Kindertagesstätten und die örtliche Grundschule) ein stadtteilweites gemeinsames vernetztes und trägerübergreifendes Konzept für Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren und deren Eltern erstellt, das Sprachförderung und Elternbildungsarbeit gleichermaßen beinhaltet - dabei erfolgt keine Einschränkung auf "MigrantInnen", einbezogen werden auch Kinder aus bildungsferneren deutschen Familien:

  • Engagierte (auch Migrantinnen-)Mütter aus dem Stadtteil werden qualifiziert ("Stadtteilmütter"), um anschließend gegen Honorar in Gruppenstunden anderen Müttern (aus dem gleichen Kulturkreis) anhand niedrigschwelliger mehrsprachiger Lernprogramme ("Griffbereit", "Rucksack") Anregungen für die Förderung der eigenen Kinder zu geben.
  • Für Kinder im Alter von 0-3 Jahren und deren Eltern werden entsprechende Sprachförderungs- und Elternbildungsangebote für Linden-Süd im jetzigen städtischen "Bürgerhaus" in der Großkopfstraße  konzentriert, das damit die Funktion eines stadtteilorientierten "Familienhauses" bekommt.
  • Die Bemühungen um eine vernetzte Elternbildungsarbeit werden gebündelt in einer "Elternschule", die nicht als neue zusätzliche Einrichtung, sondern als Verbund der beteiligten Einrichtungen koordiniert.

Durch dieses Vorgehen wird (anhand der Erfahrungen mit der Umsetzung der Teilprogramme) erwartet, dass jährlich voraussichtlich ca. 200 (rund 21%) von derzeit 953 Kindern im Alter von 0 bis 10 Jahren und deren Eltern erreicht werden.
Geplant ist zunächst ein 3-jähriger Probelauf (2005 bis 2008), eine Evaluation wird dann Grundlagen bieten für eine Entscheidung über eine Weiterführung des Projektes im "Dauerbetrieb". Das Projekt ist Teil des hannoverschen Programmes zur "Einführung einer flächendeckenden Sprachförderung für Migrantenkinder und Kinder mit Sprachschwierigkeiten".

Das besondere an dem Lindener Gesamtkonzept ist,

  • dass zur Behebung der Sprachschwierigkeiten und Defizite in der Förderung der Kinder nicht eine neue öffentliche Betreuungsleistung aufgebaut, sondern die Eigenkräfte der betroffenen Eltern gestärkt werden (Empowerment).
  • dass in Linden-Süd nicht ein neues personell, zeitlich & räumlich begrenztes kleines "Projekt" initiiert, sondern stadtteilweit ein Träger und Einrichtungen übergreifendes Programm mit dem Ziel der Einbeziehung eines großen Teil der betroffenen Zielgruppe entwickelt wurde (Vernetzung)
  • dass als "Nebenprodukt" die Förderung von Eigeninitiative und Schaffung von Kommunikationsnetzen im Stadtteil zu erwarten ist, womit eine wichtige Grundlage für eine Belebung und Entwicklung des Stadtteiles Linden-Süd geschaffen wird. (Nachhaltigkeit)

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          Links

          • Niedrigschwellige mehrsprachige Lernprogramme "Griffbereit" (http://www.stadtteilarbeit.de Themen / Soziale & kulturelle Infrastruktur / Familienbildung & Sprachförderung) und "Rucksack" (http://www.stadtteilarbeit.de Themen / Soziale & kulturelle Infrastruktur / Familienbildung & Sprachförderung)